Der praktische Fall

17.07.2017

Rechtzeitige Darlehenstilgung bei Betriebs- oder Praxisveräußerung oft empfehlenswert

| Wird ein Betrieb oder eine Praxis veräußert, stellt sich oftmals die Frage, ob noch vorhandene Darlehen – gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung – sofort getilgt werden sollen oder ob es sinnvoller ist, die Darlehen weiterlaufen zu lassen. |

Sachverhalt

Mandant Huber war seit 30 Jahren als Arzt in eigener Praxis tätig. Er ist 65 Jahre alt und möchte sich nun zur Ruhe setzen. Noch vor fünf Jahren hat er in neue Praxisräume und moderne Gerätschaften investiert. Daraus resultiert ein Darlehen, das noch mit 100.000 EUR valutiert und mit 4 % jährlich zu verzinsen ist. Sondertilgungen sind nur in beschränktem Umfang zulässig, sodass Huber bei einer vorzeitigen Ablösung des Darlehens mit einer hohen Vorfälligkeitsentschädigung rechnen muss. Huber fragt seinen Steuerberater, ob er das Darlehen dennoch vorzeitig tilgen soll, zumal der voraussichtliche Erlös aus der Praxisveräußerung weit mehr als 100.000 EUR betragen wird. Huber plant auch nicht, das Darlehen z. B. auf eine vermietete Immobilie zu übertragen.

Lösung

Der steuerliche Berater prüft zunächst, inwieweit die Vorfälligkeitsentschädigung abziehbar ist. Er stellt fest, dass diese zu den Veräußerungskosten der Praxis gehört und dementsprechend einen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn mindert. Zwar wirkt sie sich folglich nicht mit dem vollen Steuersatz aus, aber immerhin ist sie abziehbar.

Beachten Sie | Wird das Darlehen hingegen nicht gekündigt, sondern weiter bedient, so gilt dieses – von wenigen Ausnahmen abgesehen – als ins Privatvermögen überführt. Folglich sind Schuldzinsen nach der Praxisveräußerung überhaupt nicht mehr steuerlich zu berücksichtigen (siehe FG Niedersachsen 16.3.10, 12 K 10235/07; BFH 25.1.00, VIII R 55/97; Geißler, NWB 15, 332).

Praxishinweis | Der Berater empfiehlt seinem Mandanten daher die vorzeitige Ablösung des Darlehens, sofern dies auch unter wirtschaftlichen Aspekten sinnvoll erscheint. Er macht ihn aber darauf aufmerksam, dass die Vorfälligkeitsentschädigung zeitlich unmittelbar im Zusammenhang mit der Praxisveräußerung stehen muss. Wird sie erst nach einigen Monaten geleistet, z. B. weil sich der Mandant erst dann mit der Bank über die Höhe der Entschädigung geeinigt hat, so ist sie mitunter nicht (mehr) abziehbar, da das Darlehen bereits als ins Privatvermögen überführt galt.

IWW-Institut, Würzburg