Jahresabschluss

30.01.2017

Erstanwendung der BilRUG-Umsatzdefinition: IDW lässt Anpassung der Vorjahresbeträge zu

| Wegen zahlreicher Anfragen hat sich das IDW erneut mit der Frage befasst, ob in dem ersten nach dem Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (kurz BilRUG, BGBl I 15, 1245) aufgestellten Jahresabschluss die Umsatzerlöse des Vorjahres an die neue Definition des § 277 Abs. 1 HGB angepasst werden dürfen oder unverändert bleiben müssen. Das IDW geht zwar weiter davon aus, dass die Nichtanpassung der Vorjahreszahlen vorzuziehen ist, lässt nun aber – entgegen dem Wortlaut des Art. 75 Abs. 2 S. 3 EGHGB – eine Vorjahresanpassung zu (vgl. IDW Life 1/17, 120). |

1. Hintergrund

Das BilRUG ist grundsätzlich erstmals für Geschäftsjahre anwendbar, die nach dem 31.12.15 beginnen – also erstmals für das Geschäftsjahr 2016. Allerdings sieht Art. 75 Abs. 2 EGHGB vor, dass die erhöhten Schwellenwerte des § 267 HGB erstmals für das nach dem 31.12.13 beginnende Geschäftsjahr angewendet werden können, sofern auch die erweiterte Umsatzerlösdefinition (§ 277 Abs. 1 HGB n. F.) beachtet wird. Wurde von der vorgezogenen Anwendung kein Gebrauch gemacht, dann greift der Grundsatz (erstmals für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.15 beginnen).

Durch die neue, erweiterte Umsatzerlösdefinition nach § 277 Abs. 1 HGB sind nun viele Erlöse, die bisher als sonstige betriebliche Erlöse auszuweisen waren, unter den Umsatzerlösen zu subsumieren.

2. Darf der Vorjahresausweis angepasst werden?

Sind die Umsatzerlöse nach alter und neuer Definition identisch, weil das Unternehmen im Vorjahr über die auf die typischen Produkte und Dienstleistungen beschränkten Erträge hinaus keine sonstigen Erträge erzielt hat, die nach § 277 Abs. 1 HGB n. F. auch Umsatzerlöse wären, bedarf es keiner Erläuterung (vgl. die Beschlussempfehlung des Rechtsausschusses zum BilRUG, BT-Drs. 18/5256, S. 87). Anderenfalls ist auf die Nichtvergleichbarkeit hinzuweisen.

Nach Art. 75 Abs. 2 S. 3 EGHGB gilt Folgendes: Bei der erstmaligen Anwendung der neuen Umsatzerlösabgrenzung ist im Anhang auf die fehlende Vergleichbarkeit der Umsatzerlöse hinzuweisen und unter nachrichtlicher Darstellung des Betrags der Umsatzerlöse des Vorjahres, der sich aus der Anwendung von § 277 Abs. 1 HGB n. F. ergeben haben würde, zu erläutern. Nach dem Wortlaut dieser Vorschrift dürfen die Angaben des Vorjahrs nicht angepasst werden (so auch Beck’scher Bilanz-Kommentar, Art. 75 EGHGB, Rz. 9). Nach Meinung des IDW ergibt sich hieraus aber nicht, dass es verboten ist, die Vorjahresumsatzerlöse anzupassen.

Soweit nun das Vorjahr angepasst wird, geht Art. 75 Abs. 2 S. 3 EGHGB ins Leere, worauf das IDW (leider) nicht eingeht. Dennoch dürften nach der allgemeinen Vorschrift des § 284 Abs. 2 Nr. 2 HGB Angaben im Anhang zur Abweichung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden zu machen sein.

Des Weiteren betrifft die Umgliederung des Vorjahres nicht nur die Umgliederung bestimmter Nebenumsatzerlöse, sondern es sind auch Folgeumgliederungen z. B. beim Materialaufwand zu beachten. Der Stellungnahme des IDW ist zu entnehmen, dass bei einer Anpassung der Vorjahreswerte auch die sich daraus ergebenen Auswirkungen auf die sonstigen Posten der GuV des Vorjahres zu berücksichtigen sind, um eine mögliche Verzerrung des Rohergebnisses zu vermeiden.

3. Wie ist nun in der Praxis zu verfahren?

Aus Sicht der Praxis ist das vom IDW zugestandene Wahlrecht grundsätzlich zu begrüßen. Welche Vorgehensweise zweckmäßig ist, hängt nicht zuletzt von der eingesetzten Software ab:

Bei Softwaresystemen mit hochstrukturierten Kontenrahmen mit verknüpfter Zuordnungstabelle für Handelsbilanz, Steuerbilanz etc. sind Änderungen von Kontenzuordnungen fehleranfällig. Bei solchen Systemen ist die Bebuchung eines neuen Sachkontos vorzuziehen, womit das Vorjahr unangepasst bleibt.

Wird ein Softwaresystem mit flexibler Kontozuordnung und niedriger Komplexität eingesetzt, ist das Umhängen des Kontos oft die einfachste Lösung. Dies führt aber meist automatisch dazu, dass auch das Vorjahr angepasst wird, was durch die neue IDW-Sichtweise nicht mehr problematisch ist.

IWW-Institut, Würzburg