Lohnsteuer

24.09.2018

Betriebsveranstaltung: Absagen von Kollegen gehen nicht zulasten der tatsächlich Feiernden

| Absagen von Kollegen anlässlich einer Betriebsveranstaltung gehen steuerrechtlich nicht zulasten der tatsächlich Feiernden. Mit dieser Entscheidung hat das FG Köln (27.6.18, 3 K 870/17; Rev. BFH VI R 31/18) der anderslautenden Sichtweise des BMF (14.10.15, IV C 5 - S 2332/15/100001) eine Absage erteilt. |

Sachverhalt

Im Streitfall hatte eine GmbH die Durchführung eines gemeinsamen Kochkurses als Weihnachtsfeier geplant. Nach dem Konzept des Veranstalters durfte jeder Teilnehmer unbegrenzt Speisen und Getränke verzehren. Von den ursprünglich angemeldeten 27 Arbeitnehmern sagten 2 kurzfristig ab, ohne dass dies zu einer Reduzierung der bereits veranschlagten Kosten durch den Veranstalter führte. Entgegen der Berechnung der GmbH, die die Kosten auf die angemeldeten Arbeitnehmer verteilte, ging das FA davon aus, dass auf die tatsächlich teilnehmenden 25 Arbeitnehmer abzustellen sei, sodass sich ein höherer zu versteuernder Betrag ergab.

Entscheidung

Das FG Köln gab der Arbeitgeberin Recht. Zur Begründung verwies das FG insbesondere darauf, dass die Feiernden keinen Vorteil durch die Absage ihrer beiden Kollegen gehabt hätten. Denn nach dem Veranstaltungskonzept habe jeder Teilnehmer ohnehin nach seinem Belieben unbegrenzt Speisen und Getränke konsumieren dürfen.

Praxistipp | Die streitgegenständliche Frage, die aufgrund der Breitenwirkung eine große praktische Bedeutung haben dürfte, ist bislang höchstrichterlich noch nicht entschieden worden. Gerade bei Veranstaltungen mit kleinen Teilnehmerzahlen können sich die „No-Show-Kosten“ lohnsteuerlich erheblich auswirken. Es ist damit zu rechnen, dass die Finanzverwaltung weiterhin davon ausgeht, dass auch Aufwendungen des Arbeitgebers, die nur zu einer abstrakten Bereicherung des Arbeitnehmers führen, als Zuwendungen i. S. des § 19 Abs. 1 Nr. 1a EStG zu erfassen sind. Gegen entsprechende Lohnsteuerhaftungs- und -nachforderungsbescheide sind daher Einspruch und ggf. Klage geboten.


IWW-Institut, Würzburg