Betriebsausgaben/Werbungskosten

08.02.2021

Die neue Homeoffice-Pauschale

| Viele Gewerbetreibende, Freiberufler und Arbeitnehmer arbeiten wegen der Corona-Krise von zu Hause aus. Aufgrund der strengen bzw. engen Grenzen des § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b EStG scheidet dabei ein Kostenabzug für ein häusliches Arbeitszimmer oft aus. Infolgedessen hat der Gesetzgeber mit dem JStG 2020 (BGBl I 20, 3096) einen neuen Satz 4 und damit eine Homeoffice-Pauschale eingeführt. Der Beitrag gibt einen Überblick über die inhaltliche Ausgestaltung der Neuregelung und deren steuerlichen Auswirkungen. |

1. Inhaltliche Ausgestaltung

Aufwendungen (z. B. anteilige Miete, Abschreibungen, Wasser- und Energiekosten) für ein häusliches Arbeitszimmer sind nach § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 2 und 3 EStG bis zu 1.250 EUR jährlich abzugsfähig, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Die Höchstgrenze entfällt, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet. Zudem muss es sich in beiden Fällen um einen büromäßig eingerichteten Raum handeln, der nahezu ausschließlich zu betrieblichen und/oder beruflichen Zwecken genutzt wird.

Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, kann ein Abzug für die betrieblich oder beruflich veranlassten (Mehr-)Aufwendungen nunmehr in pauschaler Form erfolgen (§ 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 4 EStG). Diese Regelung ist zeitlich befristet und gilt für die VZ 2020 und 2021.

Praxistipp | Die von der Rechtsprechung des BFH herausgearbeiteten Anforderungen an den Begriff des häuslichen Arbeitszimmers sind keine Tatbestandsvoraussetzung für den Abzug der Pauschale, sodass die Tätigkeit z. B. auch in der Küche oder im Wohnzimmer ausgeübt werden kann.

1.1 Begünstigte Tage

Der pauschale Abzugsbetrag wird nur für die Kalendertage gewährt, an denen der Steuerpflichtige seine betriebliche/berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt und keine andere betriebliche/berufliche Betätigungsstätte aufsucht. Zur Betätigungsstätte gehören jede Tätigkeitsstätte, ein weiträumiges Tätigkeitsgebiet oder auch ein fester Ort (Sammelpunkt), den der Steuerpflichtige aufsucht (vgl. die Gesetzesbegründung, BT-Drs. 19/25160).

Merke | Die neue Homeoffice-Pauschale kann – aus Vereinfachungsgründen – auch von Steuerpflichtigen genutzt werden, bei denen die Abzugsvoraussetzungen für die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer vorliegen. Vorteilhaft ist dies, wenn die tatsächlichen Arbeitszimmerkosten geringer sind als die neue Pauschale. Zudem entfällt durch die pauschale Gewährung der Nachweis von Einzelkosten.

Übt der Steuerpflichtige mehrere voneinander unabhängige Tätigkeiten aus (z. B. neben der nichtselbstständigen Haupttätigkeit noch eine freiberufliche Nebentätigkeit), könnte sich folgende Konstellation ergeben:

  • Für die Nebentätigkeit kommt ein Kostenabzug für ein häusliches Arbeitszimmer in Betracht.
  • Für die Arbeitnehmer-Tätigkeit ist ein Abzug indes ausgeschlossen.

Hier stellt sich nun die Frage, ob die neue Homeoffice-Pauschale für die Arbeitnehmer-Tätigkeit zusätzlich nutzbar gemacht werden kann. Der Wortlaut der Neuregelung schließt einen solchen Ansatz zwar nicht aus. Zudem ist jede Tätigkeit grundsätzlich für sich zu betrachten. Gleichwohl ist damit zu rechnen, dass die Finanzverwaltung ein Nebeneinander von Arbeitszimmerkosten und Homeoffice-Pauschale auch in einer solchen Konstellation nicht zulassen wird.

1.2 Begrenzung der Höhe nach

Die neue Homeoffice-Pauschale beträgt pauschal 5 EUR für jeden Kalendertag, an dem der Steuerpflichtige seine gesamte betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt; maximal aber 600 EUR im Wirtschafts- oder Kalenderjahr.

Praxistipp |
Arbeitnehmer sollten – sofern möglich – Bescheinigungen der Arbeitgeber über die Anzahl der Homeoffice-Tage anfordern und im Rahmen der Beweisvorhaltepflicht aufbewahren.

Übt der Steuerpflichtige verschiedene betriebliche oder berufliche Tätigkeiten aus, sind sowohl die Tagespauschale von 5 EUR als auch der Höchstbetrag von 600 EUR auf die verschiedenen Betätigungen aufzuteilen. Eine tätigkeitsbezogene Vervielfachung der Pauschale ist damit ausgeschlossen.

Praxistipp | Da die Neuregelung einfach anwendbar sein soll, sieht § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 4 EStG keine Einschränkung für den Fall vor, dass bei gemeinsam Nutzungsberechtigten einer Wohnung (auch) ein anderer eigene Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer oder eine eigene Homeoffice-Pauschale abzieht (vgl. die Gesetzesbegründung, BT-Drs. 19/25160).

1.3 Abgeltungswirkung der Homeoffice-Pauschale

Nach der Gesetzesbegründung sind mit der Tagespauschale alle (Mehr-)Aufwendungen für die Nutzung der häuslichen Wohnung abgegolten. Aufwendungen für berufliche Arbeitsmittel (z. B. Schreibtisch) sind selbstverständlich (wie beim häuslichen Arbeitszimmer) neben der Pauschale abzugsfähig.

In diesem Zusammenhang ist nicht ganz klar, wie Telefon- und Internetkosten behandelt werden müssen (oftmals pauschaler Ansatz von 20 %, maximal bis zu 20 EUR im Monat). Im Jahr käme man so also auf 240 EUR. Hier ist zu erwarten, dass die Finanzverwaltung die Neuregelung eng auslegen wird mit der Folge, dass mit der Pauschale Strom, Internet, Heizkosten, Müll, Warmwasser und Telefonkosten abgegolten sind.

2. Steuerliche Auswirkungen der Homeoffice-Pauschale

Zunächst ist festzuhalten, dass sich die Homeoffice-Pauschale bei Arbeitnehmern nur dann vollständig steuerlich auswirkt, wenn die übrigen Werbungskosten den Pauschbetrag von 1.000 EUR übersteigen. Sie wird also nach der gesetzlichen Konzeption nicht zusätzlich gewährt.

Die Neuregelung soll der Förderung der häuslichen betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit dienen. Ein Nebeneinander des pauschalen Abzugsbetrags für einen häuslichen Arbeitsplatz und der Entfernungspauschale oder ein Abzug tatsächlicher Fahrtkosten nach Reisekostengrundsätzen würde diesem Ansatz nach der Gesetzesbegründung nicht gerecht. Demzufolge stellt sich die Frage, wie vorteilhaft die Homeoffice-Pauschale im Vergleich zur Entfernungspauschale ist.

Beispiel

Zwei Arbeitnehmer wohnen jeweils 14 km vom Arbeitsort entfernt und machen nur die jeweils zulässigen Pauschalen als Werbungskosten geltend. Arbeitnehmer A macht keine Homeoffice-Pauschale, sondern nur die Entfernungspauschale (für 225 Tage) geltend. Arbeitnehmer B macht dagegen die höchstmögliche Homeoffice-Pauschale (120 Tage × 5 EUR) und für 105 Tage die Entfernungspauschale geltend.
    
Arbeitnehmer A

Arbeitsmittel110 EUR
Kontoführungsgebühren 16 EUR   
Telefon/Internet (vgl. hierzu unter 1.3) 240 EUR   
Homeoffice-Pauschale    0 EUR   
Entfernungspauschale (30 Cent x Tage x 14 km) 945 EUR
Werbungskosten gesamt 1.311 EUR

Arbeitnehmer B

Arbeitsmittel 110 EUR
Kontoführungsgebühren 16 EUR   
Telefon/Internet (vgl. hierzu unter 1.3) 120 EUR   
Homeoffice-Pauschale    600 EUR   
Entfernungspauschale (30 Cent x Tage x 14 km) 441 EUR
Werbungskosten gesamt 1.287 EUR

Werden die pauschalen Telefon-/Internetkosten demgegenüber ausgeblendet, dann ist die Entfernungspauschale bei einer einfachen Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte von 17 km vorteilhafter (17 km x 0,30 EUR = 5,10 EUR/pro Tag). Mit zunehmender Entfernung vergrößert sich folglich der steuerliche Vorteil der Entfernungspauschale.

Beachten Sie | Für den VZ 2021 ist bei größeren Entfernungen zudem zu berücksichtigen, dass die Entfernungspauschale ab dem 21. Entfernungskilometer um 5 Cent auf 35 Cent erhöht wurde (Gesetz zur Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 im Steuerrecht (BGBl I 19, 2886)).

Fazit | Der Gesetzgeber hat mit der Homeoffice-Pauschale eine relativ einfach zu handhabende Regelung geschaffen. Das Konfliktpotenzial dürfte sich in Grenzen halten. Die wenigen offenen Fragen, etwa im Hinblick auf die Abgeltungswirkung und Nutzbarmachung bei mehreren voneinander unabhängigen Tätigkeiten, dürften sicherlich alsbald in einem BMF-Schreiben geklärt werden.

IWW-Institut, Würzburg